Wenn wir auf die letzten Wochen zurückblicken, dann kommt mir als Erstes das Werk „Tempus fugit“ von Oliver Gather in den Sinn, das die Gäste direkt beim Eintreten empfängt: Die Zeit flieht. Und wie sie geflohen ist! Aber im Gegensatz zu Olivers berühmten Staumeldungen auf Vinyl kann ich heute mit absolut reinem Gewissen behaupten:
Diese Ausstellungszeit war alles andere als verschwendete Zeit im Stau. Es war ein absoluter Hochgenuss.
Wir durften so viele tolle Begegnungen erleben – unter anderem waren der Kulturausschuss der Stadt Emsdetten und der Kulturrat Münsterland bei uns zu Gast. Es war mir eine ganz besondere Freude, die Mitglieder beider Gremien bei exklusiven Kuratorinnenführungen tiefer in das Spannungsfeld unserer Oase zu entführen. Für mich hatte dieser Besuch übrigens echten Heimspiel-Charakter: Seit Juni 2024 darf ich den Kunstverein ja selbst als Mitglied im Kulturrat Münsterland vertreten. Und dass auch unser Bürgermeister Oliver Kellner seit 2025 dort aktiv mitmischt, zeigt einfach, wie stark die Kunst hier in Emsdetten und der gesamten Region vernetzt ist.
Zugegeben, die äußeren Bedingungen waren… sagen wir: eine künstlerische Intervention für Fortgeschrittene. Zwischen uns und der Oase lag eine handfeste Außenbaustelle. Der Caravan-Stellplatz war zeitweise hinter gigantischen Erdhaufen begraben. Aber wir haben bewiesen:
Kein Erdhaufen ist hoch genug, um die Kunst aufzuhalten!
Wir haben diese Herausforderung nicht nur gemeistert, wir haben eine Oase des Miteinanders daraus gemacht.
Und was haben wir nicht alles erlebt:
- Unser Kultur_Picknick war komplett ausgebucht. Zusammen mit dem Verkehrsverein Emsdetten haben wir den Schotterplatz kurzerhand mit grünem Rasenteppich und Pavillons in ein Sommerparadies verwandelt und zu den Klängen von „The Boxers“ das Fernweh besungen.
- Bei der Performance „Boot Soup“ mit Katharina und Oliver gab es frisch gekochte Gemüsesuppe direkt aus dem Kofferraum. Und wir haben gelernt, was „Inside out“ und „Outside in“ wirklich bedeutet.
Als plötzlich Starkregen kam, haben wir die Suppe und die Gespräche vom Stellplatz blitzschnell nach drinnen verlagert und spontan eine Gruppenmeditation auf den 12 Meditationshockern eingelegt.
Ich muss gestehen, seit dem Ausstellungsbeginn hat mich selbst eine ganz neue Leidenschaft gepackt:
die Sammelleidenschaft.
Ich kann gar nicht mehr weggucken bei all den vielseitigen Caravan-Namen und den verrückten Dekors da draußen auf dem Stellplatz. Mein absolutes Highlight ist ein Modell namens „Oasi“ – das war ganz bestimmt ein charmanter Vertipper auf dem Förderband und sollte eigentlich „Oase“ heißen. Da bin ich mir sicher.
Genau diesen humorvollen Blick auf den Camping-Alltag teilt auch Katharina Maderthaner mit uns. Wer hätte gedacht, dass man profanes Campinggut in feinste Glaskunst verwandeln kann? Katharinas witzige Tiffany-Glasarbeiten – vom Käsebrot über die Kaffeemaschine bis hin zum Wurstglas – sind absoluter Kult! Genauso wie ihre beiden kleinen, gewebten Wandteppiche: Der eine zeigt ein Autohof-Ausfahrtschild, der andere ein Fernseh-Testbild – eine geniale Anspielung auf die vielen Satellitenschüsseln auf den Wohnmobilen, die man pünktlich zur Fußball-WM alle im perfekten Gleichklang ausgerichtet sieht.
Und dann ist da natürlich noch ihre raumgreifende Installation „There is no place like home“, die Wohnlichkeit und Mobilität so herrlich ironisch verbindet. Ein ganz besonderes Detail dieser Arbeit geht am Montagmorgen übrigens wieder auf Reisen:
Die ganze Ladung Autoreifen haben wir nämlich dankenswerterweise vom lokalen Händler Reifen Schwarzer geliehen bekommen – die Rollen gehen morgen zurück in den Betrieb. Die Keramik-Expander und die Spitzendecken packt Katharina dagegen wieder in ihr eigenes Reisegepäck.
Apropos Oase: Was bedeutet dieser Begriff eigentlich?
Das Astrid-Lindgren-Kinderhaus hat im Nachgang zu unserem gemeinsamen Ausstellungsbesuch noch einmal mit den Kindern genau darüber philosophiert und gefragt: Was ist für dich eine Oase? Wo fühlst du dich wohl? Die Antworten der Kids sind pure Poesie – und zeigen uns Erwachsenen, worauf es im Leben wirklich ankommt.
Ein Kind erklärte: „Eine Oase ist in der Wüste, da trinken die Tiere Wasser an der Oase. Da gibt es auch Strohhäuser. Das Stroh ist auf den Dächern so längs gelegt und oben zusammengebunden, wie beim Tippi.“
Andere suchten ihre Oase nicht in der Geografie, sondern ganz pragmatisch im Alltag: „Meine Oase ist mein Bett.“ hieß es da zum Beispiel. Oder: „Ich schaue mir gerne ein Bild vom Trecker an. Trecker finde ich gut, und dann habe ich gute Gefühle. In der Ausstellung waren Wohnmobile, die fand ich auch gut.“
Für ein weiteres Kind liegt das Glück im vertrauten Umfeld: „Meine Oase ist im Kindergarten bei den Kaninchen und in meinem Zimmer mit meinem großen Bruder.“
Aber die allerschönsten Oasen sind doch die Menschen, bei denen wir uns geborgen fühlen. Da sagte ein Kind: „Meine Cousine ist meine Oase. Da bin ich am liebsten. Da spielen wir immer. Da fühle ich mich wohl. Das ist so schön!“
Und ein anderes brachte es ganz warmherzig auf den Punkt: „Meine Oma ist meine Oase! Am liebsten bin ich in ihren Armen.“
Sind das nicht wunderschöne Gedanken? Genau diese Liebe zum Detail und zur Geborgenheit sehen wir heute auch bei unserem großen Finale in der Pop-up-Ausstellung „Kunst in der Box“.
Hier trifft echtes Upcycling auf ungebändigte Kreativität und geballte Girl-Power! Wir zeigen das perfekte Match: Auf der einen Seite der wohl charmanteste Fuhrpark der Region, gebastelt aus Getränkekartons und Korken von unseren Kita-Kids aus dem Astrid-Lindgren-Kinderhaus. Von Emma, Jannis, Jona, Jonathan, Lea, Leonie, Levi, Liam, Marleen, Matthis, Pepe und Zoe – jedes Miniatur-Wohnmobil hat seinen eigenen Namen und ein eigenes Dekor. Lassen Sie sich überraschen. Ein echtes Tuning-Highlight!
Und auf der anderen Seite haben wir echte Kunstboxen in unserer „Kunst in der Box“: die Ergebnisse aus unserem Mini-Kunst-Workshop „Diorama Drama“.
Die Künstlerin Linda Skellington hat hier die perfekte Brücke zu Katharina und Oliver geschlagen, indem sie den Blick auf das Ungewöhnliche im Gewöhnlichen lenkt.
Unsere Mädelsrunde aus Antonia, Inga, Leni und Rosalie war im kreativen Flow so gar nicht mehr zu bremsen, sodass wir bei chilliger Musik glatt die Zeit vergaßen und ein bisschen überzogen haben! Entstanden sind vier absolut einzigartige Welten im Schuhkarton:
Eine Welt, die komplett Kopf steht; ein mystischer Zauberwald; eine Welt, in der sich alles um Kreise dreht; und zwei graue Hochhäuser, die durch eine Brücke verbunden sind. Meisterwerke en miniature!
Die Zeit flieht also – aber die Bewegung hört nicht auf. Genauso, wie es sich für eine Ausstellung über Transiträume und Mobilität gehört, machen wir heute nämlich keine dauerhafte Vollbremsung. Nachher heißt es für die Kids und auch für Oliver und Katharina:
Einpacken und mitnehmen!
Die Kunstwerke bleiben nicht stehen, sondern ziehen weiter. Einige vielleicht in die Kinderzimmer der Kids, manche in die Ateliers oder zum Teil direkt zu neuen Ausstellungsorten, an denen sie für eine Weile wieder ein neues Zuhause finden und kurz heimisch werden dürfen. Die Reise geht weiter!
Und genau deswegen möchte ich jetzt die wichtigsten Menschen dieser Reise einmal kurz zu mir nach vorne bitten:
Antonia, Inga, Leni und Rosalie von der Mädelsrunde,
all unsere genialen Caravan-Konstrukteure aus dem Astrid-Lindgren-Kinderhaus und natürlich unsere Hauptakteure Katharina und Oliver – kommt mal alle zu mir nach vorne! Lasst euch einmal gebührend feiern!
Schaut euch diesen großartigen, kreativen Fuhrpark an!
Ein riesiges Dankeschön noch einmal an euch alle.
Und natürlich an die weiteren Künstlerinnen Linda Skellington und Irmgard Sabelus, an den Verkehrsverein Emsdetten und an unser tolles Stroetmann-Team – und an Sie alle, die diese Oase mit Leben gefüllt haben.
Denn eine Oase lebt nicht vom Wasser allein, sondern von den Menschen, die sie besuchen.
(Auszug aus der Rede: Niina Valavuo)
Fotos: Onno Bargfrede
Unser Dank gilt: Stadt Emsdetten, Kreissparkasse Steinfurt, Kulturförderung Kreis Steinfurt



















