Oliver Gather und Katharina Maderthaner stellen zusammen aus. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.
Denn eine Oase lebt nicht vom Wasser allein, sondern von den Menschen, die in ihr zusammenkommen.

Die „Oase Emsdetten“ in fünf Kapiteln.

Beginnen wir ERSTENS mit dem Ort als Inspiration:
Wer heute zu uns gekommen ist, ist unweigerlich an unserem direkten Nachbarn vorbeigekommen: dem Caravan-Stellplatz schräg gegenüber. Ein Ort aus Schotter, Klappstühlen und Satellitenschüsseln. Ein Ort des Durchgangs, der für den einen die große Freiheit bedeutet und für den anderen vielleicht nur ein skurriler Zwischenhalt auf grauem Grund ist. Genau dieser Ort war unsere Inspirationsquelle.

ZWEITENS Die Anekdote – wie alles begann:

Es ist schon eine lustige Geschichte, wie es überhaupt zu dieser Ausstellung gekommen ist. Als ich hier 2023 in der Galerie angefangen habe, ist mir der Caravan-Stellplatz sofort ins Auge gefallen. „Daraus muss man mal eine Ausstellung machen!“, dachte ich.
Und manchmal gibt es Momente im Leben einer Kuratorin, da fügen sich die Dinge fast magisch zusammen.
Denn einige Zeit später kam Oliver Gather zu einer unserer Vernissagen. Wir kamen ins Gespräch, und er sagte mir – ohne von meiner Idee zu wissen: „Du, ich würde wahnsinnig gerne mal ein Projekt zum Stellplatz nebenan machen.“ In diesem Moment war klar: Das passt! Oliver hatte den Job quasi im Vorbeigehen bekommen. Die zweite Position war dann auch schnell gefunden: Katharina Maderthaner.

Auch sie fühlte sich gleich vom Stellplatz inspiriert.

Das Thema war gefunden. Jetzt fragten wir uns: Was passiert, wenn wir dieses „Außen“ – dieses Gefühl von provisorischem Zuhause – nach „Innen“, in unsere Galerie Münsterland, holen?

DRITTENS Die künstlerische Paarung

Dass die beiden Einzelkünstler wunderbar miteinander harmonieren und korrespondieren, sehen Sie heute hier im Ergebnis.
Und auch hier gibt es wieder etwas zum Schmunzeln. Denn die beiden arbeiten zwar in Düsseldorf Tür an Tür, haben ihre Ateliers direkt nebeneinander und verstehen sich sehr gut. Doch gemeinsam im Duo ausgestellt haben sie noch nicht. Das ist uns erst hier in Emsdetten gelungen.

In der Ausstellung zeigen wir somit zwei Einzelpositionen, die aber eine tiefe Verwandtschaft im Geist und einen präzisen Blick für das Alltägliche teilen: Katharina Maderthaner und Oliver Gather. Die kuratorische Setzung in der Galerie Münsterland schafft ein Spannungsfeld, in dem ihre Werke untrennbar miteinander verschmelzen.

Auf der einen Seite Olivers flüchtige Aquarelle und zarte Betongüsse – was in sich ja schon ein Widerspruch ist – und die Videoarbeiten.
Auf der anderen Seite Katharinas installative Raumcollagen, die unsere Sehgewohnheiten auf den Kopf stellen und mit ihrer Materialwahl überraschen. Beiden gelingt es unseren Blick auf Kleinigkeiten zu lenken, die wir oftmals nicht beachten oder wahrnehmen.

Oliver ist der geduldige Beobachter, der den Alltag fast ethnografisch untersucht und Situationen schafft, in denen wir miteinander ins Gespräch kommen. Er arbeitet thematisch. Er sucht sich ein Thema aus, geht diesem künstlerisch auf den Grund, beackert es. Dabei bewegt er sich oft im Außenbereich. Mit Aquarell und Skizzenblock ergründet er direkt vor Ort die kleinen, oft skurrilen Dynamiken unseres Zusammenlebens. Es gibt viel, was seine Aufmerksamkeit gewinnt: Ob Hochsitze oder Buchsbäume. Diesmal war es der Stellplatz. Und zwar nicht nur einer: Parallel zur Entdeckung unseres Stellplatzes fiel ihm ein ebenso skurriler Stellplatz in Düsseldorfer Altstadtnähe auf. So konnte er gleich passgenaue Kunstwerke für zwei Standorte entwickeln. Die Düsseldorfer Schau fand im Winter 2025 im Weltkunstzimmer statt.

Menschen stehen oftmals in seinem Fokus, werden zum eigentlichen Kern der Arbeit. Das war auch diesmal der Plan. Ursprünglich wollte Oliver mit den Campern ins Gespräch gehen. Doch es kam anders. Kunst ist frei. Pläne ändern sich.

So waren es plötzlich die Caravans selbst, die sein Interesse weckten. Sie schrien ihn förmlich an – wie er mir erzählte. Die unterschiedlichen Modelle, die Außenhüllen mit oft witzigen Namen und speziellen Dekors faszinierten ihn. Das musste künstlerisch umgesetzt werden. Es entstanden Aquarelle unterschiedlicher Dekors, Miniatur-Camper, die Oliver in unterschiedliche Gruppen clusterte – zum Beispiel Adlige, Abenteurer oder ferne Destinationen.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen nach dem Besuch unserer Ausstellung gehen wird. Aber auf der Autobahn halte ich neuerdings stetig Ausschau nach Caravan-Namen wie Baronesse, Roadrunner, Sunlight oder Adria.

Ein guter Zeitvertreib und ein Garant gegen Langeweile. Insbesondere wenn der Verkehr stillsteht.

Stau. Auch dieses Thema verarbeitet Oliver. Meistens nerven Staus uns ja, doch Oliver dreht den Spieß einfach um und zaubert eine Mediationsinsel: Akribisch sammelt er Staumeldungen, fügt die Zeitangaben zu einer Kollage zusammen und presst das Ganze auf Platte. Daraus baut er eine Installation. Das Zentrum bildet ein Plattenspieler, der die Schallplatte in Dauerschleife abspielt. Um den Plattenspieler gruppiert er 12 Meditationshocker. Nehmen Sie gern Platz und testen sie die beruhigende Wirkung von Verzögerungen, Zeitverlust und Plusminuten aus.

Katharina Maderthaner wiederum ist eine Meisterin der visuellen Irritation. Sie spielt mit vertrauten Mustern, bricht unsere Sehgewohnheiten auf und trickst uns aus. Sie nimmt Muster und Oberflächen, die uns allen vertraut vorkommen, und definiert sie radikal neu. Das Alltägliche garniert sie mit Überraschungspotenzial.
So stapelt sie gebrauchte Autoreifen aufeinander, dekoriert sie mit Spitzendeckchen und hängt an diese Expander. Und der Clou: Die Expander sind aus Keramik. Mit dieser einen Installation fängt sie eine ganze Camper-Welt ein. Bildet sie ab – mit Hintersinn und Witz.
Ein herzlicher Dank gilt an dieser Stelle dem lokalen Reifenhändler der Reifen Schwarzer GmbH, die uns das Material für dieses Kunstwerk unkompliziert zur Verfügung gestellt hat! Solche Kooperationen zeigen, wie tief die Kunst hier in Emsdetten verwurzelt ist.

Das Heimelige ist ein wiederkehrendes Thema in Katharinas künstlerischen Arbeit. Porzellan-Deko-Hunde werden auf Leinwand gebracht.
Und wie wohltuend ist der Biss in ein Käsebrot. Dieses Käsebrot ehrt sie, indem sie eins aus Tiffany-Glas als Wandobjekt anfertigt.

Das Kunsthandwerk ist bei ihren Arbeiten ein elementarer Bestanteil. Katharina ist neugierig darauf, wie was funktioniert. Erlernt verschiedene Techniken, testet sie aus. So kommt es zu genähten, wattierten Autoreifen aus Stoff.
Ihre Raumcollagen sind ein faszinierendes Spiel zwischen Gewohnheit und radikaler Veränderung. Was Sie hier sehen, lädt Sie ein, hinter die Fassade des Bekannten zu blicken. Entdecken Sie das alles unbedingt heute selbst.

Kurzum: Während Katharina unsere Sehgewohnheiten aufbricht, schafft Oliver Gather Situationen, in denen die menschliche Begegnung zum Kern der Arbeit wird.

Beide Werke zusammen bilden die „Oase Emsdetten“. Wieso eigentlich dieser Titel? Ganz einfach: Campingplätze tragen oft sehnsuchtsvolle Namen wie „Sonnengarten“, „Paradies“ oder eben „Oase“.

VIERTENS Der Ausblick auf unsere drei Aktionen, die die Ausstellung begleiten: Boot Soup, Kultur_Picknick & Kunst in der Box

Sonnige Aussichten stehen auf unserem Programm. Die „Oase Emsdetten“ wird in den kommenden Wochen weit über diese Mauern hinauswachsen.
Für die gemeinsame Performance „Boot Soup“ reisen Oliver und Katharina am 31. Mai eigens mit Olivers Mini-Camper an und docken dort an, wo alles begann: auf dem Wohnmobilstellplatz. Dort wird dann vegetarische Suppe direkt aus dem Kofferraum serviert – ein Kunst-Talk am Suppentopf, der Camper und Galeriegäste zusammenbringt. Die Kunst wird somit lebendig.
Die soziale Begegnung ist typisch für Olivers Arbeitsweise und diesmal gibt es das also im Doppelpack – zusammen mit Katharina.

Und gemeinsam mit dem Verkehrsverein Emsdetten laden wir Sie am internationalen Picknicktag, dem 18. Juni, zum Kultur_Picknick ein. Da gibt es Kunst, Schotter & Schnittchen: Nach einer Kuratoren-Führung genießen wir gemeinsam das Essen. Es wird ein Picknick mit Aussicht auf Kunst geben – bei Sonne draußen auf dem Caravan-Stellplatz, bei Regen hier drinnen in dieser wunderbaren Kulisse.

Ob also eine Schüssel vegetarische Suppe direkt aus dem Kofferraum bei Boot Soup am 31. Mai oder eine Picknickkiste beim Kultur_Picknick am 18. Juni: Das ist Geschmackssache. Sichern Sie sich gern Ihre Tickets. Der Vorverkauf für beide Erlebnisse beginnt am 4. Mai über den Verkehrsverein.

Und ganz besonders freuen wir uns auf unser Angebot für Kinder von 6 bis 10 Jahren: Linda Skellington, eine enge Künstlerfreundin von Katharina und Oliver hat eine Workshop-Idee, die beide Positionen vereint. Was es dazu braucht, ist ein einfacher Schuhkarton. Alles andere bleibt noch ein kleines Geheimnis – aber wir laden Sie schon jetzt herzlich ein, am letzten Ausstellungstag, am 28. Juni, wiederzukommen. Um 16 Uhr werden die Kunstwerke der Kids hier in der Galerie präsentiert.       Das waren jetzt sehr viele Informationen. Alle Termine finden Sie auf unserer Homepage galeriemuensterland.de.

FÜNFTENS Dank an die Förderer & Partner
Ein Projekt dieser Größenordnung braucht starke Partner an seiner Seite. Mein ganz besonderer Dank gilt:

  • Unserem Hauptförderer, der Stadt Emsdetten, die uns diesen Freiraum für Experimente ermöglicht.
  • Der Kulturförderung des Kreises Steinfurt für die wertvolle Finanzspritze.
  • Der Sparkasse, die es unter anderem möglich macht, dass wir ein eigenes Angebot für die Jugend schaffen können: Unseren Kinderworkshop, dessen Ergebnisse wir am letzten Ausstellungstag hier präsentieren werden.
  • Dem Hotel Wefers, das unsere Künstler so gastfreundlich beherbergt – ein echtes Stück „Oase“.
  • Und natürlich dem gesamten Stroetmann-Team, das im Hintergrund agiert.
  • Dem Bauhof-Team für seinen unermüdlichem Einsatz im Turbo-Gang. 
  • Ein herzlicher Dank geht an den Verkehrsverein Emsdetten für die großartige Zusammenarbeit insbesondere beim kommenden Kultur_Picknick.
  • Ein riesengroßes Dankeschön an Katharina und Oliver, die sich auf diese gemeinsame Abenteuer-Reise eingelassen haben.
  • Vielen Dank auch an Frauke Berg, die das zauberhafte Layout des Ausstellungsplakats und der Einladungskarten designt hat.
  • An dieser Stelle außerdem ein herzlicher Dank an die Camper: Sie sind für uns nicht nur Kulisse, sondern Teil dieses Projekts.

(Auszug aus der Eröffnungsrede, Niina Valavuo)

Termine, Termine. Das Begleitprogramm zur Ausstellung:

31.05.26 | Boot-Soup-Performance. Ein Kunst-Talk mal anders. (Ticketing ab 4.5.2026 über den Verkehrsverein Emsdetten e.V.)
18.06.26 | Kultur_Picknick. Kunst Schotter & Schnittchen. (Ticketing ab 4.5.2026 über den Verkehrsverein Emsdetten e.V.)

Mini-Kunst-Workshop für Kids von 6 bis 10 Jahren
02.12.25DIORAMA DRAMA mit Linda Skellington

28.06.26 | Finissage mit Kunst in der Box

 
Fotos: Onno Bargfrede